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Die Presse über Babette Haag

"Exzellent interpretiert"

02.12.2010 10:13

Kinzigtal-Nachrichten vom 04.07.1998, Seite 11,
von Ralph Ph. Ziegler

Die junge Münchner Schlagzeugerin Babette Haag löste Begeisterung aus

Schlüchtern - Die perkussionistsche Höllenmaschine am Schluiß hat das Publikum von den Sitzen getrieben. Daß in der alten Oper Hunderte von Griechen beim Xenakis-Konzert Transparente schwenken, ist bekannt. Daß aber dem Publikum in einer barocken Dorfkirche bei einer Percussion-Soloaktion im holzstockgeschlagenen Staccatoknallen der Trommeln Glückszustände ins Gesicht gemalt stehen - das ist doch einmalig.

5. Ramholzer Musiktage

Die Musikerin war dies auch. Babette Haag, Solo-Perkussionistin aus München, war mit bestens gefülltem Notenkoffer und zum Bersten beladenem Transporter nach Ramholz gekommen. ein spannend sortiertes Programm - von der ethnologisch timbrierten Afrika-Hommage zur ätherischen Ton-Weisheit der A´vantgarde, vom Blues bis zur kunstvoll umgestylten Südamerika-Folklore und - alles, ohne Abstriche, exzellent interpretiert. Vor allem mit Überzeugungskraft. Das kommt nicht nur daher, daß die junge Dame ihr Konzert glänzend moderierte, mit Witz, Pfiff und solider Kompetenz. Sondern auch deshalb, daß sie sich mit der Literatur, die sie dem Ramholzer Publikum vorstellte, fraglos bis ins letzte Detail zu identifizieren verstand.

Ein Paradiesvogel für die gewöhnlich recht klassischen Ramholzer Programme und trotzdem der Schmelztiegel an Ereignischarakter und positivster Publikumsreaktion war die Set-up-Aktion "Orion M.42" des Dallapiccola/Stockhausen-Schülers Reginald Smith Brindle. Haag spielte mit der extrem sicheren, völlig distanzlosen musikalischen Inszenierung dieser farbenreichen, hochdifferenzierten Partitur zu einem zwischen virtuosester Technik und brillanten Klangmischungen höchst expressivem Klangpanorama. Doppelt wirksam zwischen dem robust naturhaften Einleitungsstück "Ghanaia" von Matthias Schmidt und der darauffolgenden fragilen Kunstfertigkeit des "Dream of the Cherry Blossoms" der Japanerin Keiko Abe.

Babette Haags eigene Transkription von Bachs vierter Cellosuite, mit der agogischen Beweglichkeit einer gut traktierten Orgel souverän gebracht, überzeugte abseits jeder neubarocken Strukturbesessenheit, musikantisch und einfühlsam.

Das Finale kam dann doppelt rasant. "Two Mexican Dances" von Gordon Stout entfesselten fast mehr unauffällig unter beschwingten Melodiechen wahre Horrorspielarten technischer Notwendigkeiten und schließlich eben Xenakis mit seiner Beweisführung, daß Abstraktion auch für ein klassisch orientiertes Publikum nicht gleich unverständliche Pflicht-Hörübung heißen muß.

Nach zwei Zugaben (Albeniz und Bach) war Schluß - wenn's nach dem begeistert weiterapplaudierenden Ramholzer Publikum gegangen wäre, hätte Babette Haag noch locker bis Mitternacht weitermachen dürfen.

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